Die Auswirkungen von CAD/CAM auf meine Zahnarztpraxis – oder wie aus einem Notdienst eine Produktionsstätte wurde

Interview mit Dr. Jonathan L. Ferencz

CAD/CAM hat in Ihrer Praxis und bei Ihren Patienten zu großen Veränderungen geführt, welche waren das?

Zum ersten Mal wurden mir wirklich die Unterschiede bewusst, die CAD/CAM für meine Patienten darstellt, als ich einen meiner Patienten behandelte, einen sehr erfolgreichen Teilhaber eines bekannten Architekturbüros.

Er kam an einem Freitagnachmittag gegen 14:00 Uhr in meine Praxis uns sagte: „John, es tut mir furchtbar leid, aber die Krone meines Schneidezahns ist gerade zerbrochen. Ich muss heute Abend bei einem wirklich wichtigen Geschäftsessen anwesend sein und danach fahre ich mit meiner Familie für 14 Tage in den Skiurlaub. Und wenn ich diesen Urlaub absage, bekomme ich wirklich Probleme. Ich wäre dir unendlich dankbar, wenn du mir ein Provisorium anfertigen könntest.”

Seine Krone war in zwei Teile zerbrochen. Ich sagte ihm, dass wir ihn meiner Meinung nach mit weit mehr als nur einem Provisorium versorgen könnten. Ich schlug ihm vor, mit CAD/CAM in Zusammenarbeit mit dem Labor eine neue Krone anzufertigen. Was er natürlich gar nicht für möglich gehalten hatte.

Ich nahm das zerbrochene Teil und setzte es wieder in seinen Mund ein – wo es sich wie bei einem Puzzle perfekt einpasste. Dann hat meine Assistentin einen Vorpräparations-Scan durchgeführt.

Anschließend nahm ich das abgebrochene Teil heraus. Ich habe den Patienten mit etwas Novocain anästhesiert und dann das Stück abgeschliffen, das noch zementiert war. Ich habe einen Faden platziert und die Präparation mit unserem 3Shape TRIOS gescannt. Der Zahntechniker im Labor hat ihm dann eine neue Krone konstruiert und angefertigt. Neunzig Minuten später verließ der Patient meine Praxis mit einer endgültigen Krone – und nicht etwa einem Provisorium.

Bei einem späteren Besuch hat er mir dann erzählt, dass er wohl seine Geschäftspartner bei dem Essen sehr gelangweilt hat. Denn er hat die ganze Zeit nur über seine neue Krone geredet, die bei einem einzigen Besuch entstanden war.

Wenn Sie sich diesen Fall ansehen und damit vergleichen, wie das früher ablief, dann hätte dasselbe Verfahren wohl drei Besuche beansprucht.

Jetzt denke ich bei jedem Notfall, bei dem es um etwas Zerbrochenes geht, sofort daran, dass wir ja auch die Option der Neuproduktion haben. Dass wir also nicht nur eine Notlösung anbieten, ein Provisorium einsetzen und den Patienten für die folgende Woche bestellen… Jetzt weiß ich ja, dass wir mit einer TRIOS-Digitalabformung und unserem Labor eine neue Krone anfertigen können. Für die Patienten ist die Digitaltechnik – wie in diesem Beispiel deutlich wird – wirklich ein Segen.

Aber verlieren Sie denn kein Geld, wenn die Patienten nicht mehrmals zu Ihnen kommen müssen?

Aber gar nicht! Wir berechnen ja dieselbe Pauschale, egal wie oft der Patient zu uns kommt. Denn beim Patienten wird das Verfahren abgerechnet und nicht die einzelnen Besuche. Wir sparen also sogar Zeit und Geld.

Und wenn wir nicht erst ein Provisorium einsetzen müssen, ist das für den Patienten ein großer Vorteil. Sie müssen dann nicht erneut unsere Praxis aufsuchen.

Patienteninformation

Ein weiterer wichtiger Vorteil der Digitaltechnologie sind ihre Möglichkeiten, die Patienten zu informieren.

Ich hatte beispielsweise einen Patienten mit einem seitlichen Schneidezahn, der beim Blick von vorn perfekt aussah. Ein Blick von hinten offenbarte jedoch, dass es sich um Amalgam und ein Komposit handelt. Zusätzlich zog sich von der Schneidekante bis zur Gingiva ein vertikaler Riss.

Wie können Sie das nun dem Patienten veranschaulichen, wenn es auf der lingualen Seite liegt?

Früher hätte ich es mit einem Spiegel versucht. Ich hätte versucht, ein Foto aufzunehmen. Ich mache also das Foto. Ich lade es auf den Computer oder ein iPad. Das dauert jetzt schon 20 Minuten.

Der Patient schaut schon auf die Uhr, denn er will die Praxis möglichst schnell wieder verlassen… in Situationen wie diesen ist die Geschwindigkeit entscheidend. Jetzt fertige ich zuerst einen Scan an und erhalte sofort eine farbige digitale Abformung in 3D.

Beim Scannen des Patienten kann ich den seitlichen Schneidezahn nehmen und dem Patienten sagen: „Sehen Sie mal, beim Blick von vorn sieht Ihr Zahn perfekt aus. Doch sehen Sie mal, was ich sehe, wenn ich ihn umdrehe!“ (auf dem Bildschirm). Der Scanner zeigt den Riss.

Dann fragt mich der Patient, was wir denn da machen können? Ich sage: „Lassen Sie uns eine Krone planen!“ Und “zack ”  der Patient stimmt zu, weil es eine so überzeugende Präsentation war.

Wir ermöglichen es den Patienten, bei der Diagnose mitzuwirken.

Der Scan hilft also, den Patienten zu informieren und in gewisser Weise auch zu befähigen?

Der beste Patient ist ein informierter Patient.

Doch der Kommunikations- oder Informationsprozess muss schnell und intuitiv sein. Es geht nicht, erst ein Foto zu machen, es dann auf den PC zu laden, dann das Foto zu suchen und so weiter…

Jetzt hole ich also nicht die Kamera und das iPad raus, sondern greife nach dem TRIOS.

Der Traum, einen Scanner in jedem Behandlungsraum zu haben und dass auch der Zahnhygieniker zum Scanner greift, wird in unserer Praxis immer mehr zur Wirklichkeit.

Sie können sich also vorstellen, dass bei jedem Patientenbesuch gescannt wird?

Es gibt eine Unmenge an Informationen, die ich jetzt erhalte, weil ich mir einen vergrößerten Scan ansehen kann. Das ist so, als wenn ich durch meine Lupe blicke, die mir eine viereinhalbfache Vergrößerung bietet. Bei einem Scan kann ich das Bild auf meinem Bildschirm so weit vergrößern, wie ich will.

Im Grunde kann ich mir vorstellen, dass ein Scan tatsächlich bei JEDEM Patienten verwendet wird. Mir schwebt wirklich vor, dass wir eines Tages jeden Patienten routinemäßig scannen.

Werden Sie eines Tages Ihre Patienten behandeln, indem Sie einfach nur vom Schreibtischstuhl aus digitale Scans begutachten?

Sie meinen, ob ich mir vorstellen kann, dass ich eines Tages nur noch in meinem Ferienhaus auf den Bahamas sitze und auf meinem Laptop Scans durchblättere? Das wäre schön. Aber so weit wird es nicht kommen, denn ein großer Teil unseres Erfolgs beruht auf persönlichen Beziehungen und Kontakten.

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Dr. JONATHAN FERENCZ
Dr. Ferencz ist Diplomat im American Board of Prosthodontics und Clinical Professor für Prosthodontics and Occlusion im Department of Advanced Education in Prosthodontics am New York University College of Dentistry, wo er seit 1972 lehrt. Außerdem ist er Adjunct Professor für Restorative Dentistry an der University of Pennsylvania School of Dental Medicine.

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